Psychotherapiepraxis Martina Woocker - - Dipl.-Psychologin/Heilpraktikerin (Psychotherapie) -

Das '7-Ebenen-Modell' der Rückfallprophylaxe-Arbeit

und die dazugehörige '7-Ebenen-Grafik'

Martina Woocker, 11/2018 und 07/08/2019

Während meiner Rückfallprophylaxe-Arbeit in der JVA Rheinbach, habe ich ein Arbeitsmodell entwickelt, mit dessen Hilfe die Teilnehmer erkennen können, in  welcher Ebene sie sich aktuell befinden, welche Ebene sie noch nie erreicht haben und ebenfalls, ob die Ebene 7 - eine abstinente Lebensführung - überhaupt das angestrebte Ziel ist.

Unter dem Reiter: 7-Ebenen-Grafik ist das 7-Ebenen-Modell der Rückfall-prophylaxe-Arbeit als Schaubild nicht mehr zu betrachten, sondern erst wieder im bald erscheinenden Therapie-Manual.

Während meiner Studie, die ich in der JVA Rheinbach durchführen durfte, ergab sich als übergeordnete Kateorie:

'Wichtigkeit von Fachkompetenz auf Seiten der Seminarleiter'.

Mit dieser Kategorie offenbarte sich die Schwierigkeit der suchttherapeutischen Arbeit, da der abhängigkeitskranke Mensch erst einmal alles versuchen wird, seinen Konsum zu verleugnen und den Blick von sich auf andere Menschen zu lenken. Der behandelnde Therapeut muss diese Manipulations-Strategien erkennen können, damit die Suchttherapie gelingen kann bzw. er als Therapeut vom abhängigkeitskranken Patienten überhaupt ernst genommen wird.

Nachfolgend ist das Modell beschrieben:


1.      Zu einem x-Zeitpunkt wird eine kognitive Abstinenzentscheidung, (Kopfentscheidung, nicht zu konsumieren) getroffen, die oftmals durch äußere Auslöser vorgenommen wird (z.B.: ständiger Partnerstreit wegen des Suchtmittelkonsums, Therapie, Inhaftierung, Verlust der Arbeit etc.).

2.      Gefahrenquellen, die diese kognitive Abstinenzentscheidung bzw. Kopfentscheidung aushebeln könnten, werden bzw. wurden nicht erkannt. (Probleme im beruflichen/privaten Umfeld, Ungeduld, wenn keine Arbeit gefunden wird, Gefühle von Hoffnungslosigkeit, Trennungen, Wiedersehen von Bekannten aus der Szene…etc…).

3.      Rückfälle treten ein. Es folgen der Umgang mit diesen Rückfällen und das Fällen einer weiteren kognitiven Abstinenzentscheidung bzw. Kopf - entscheidung, nicht zu konsumieren.

4.      Zu einem weiteren x-Zeitpunkt:
Beginn der Auseinandersetzung mit negativen & positiven Gefühlszuständen, die in Verbindung mit dem Suchtproblem stehen.

In dieser Phase ist es jetzt wichtig, mit den Teilnehmern verschiedene Blickwinkel hinsichtlich der Gefühlszustände, die scheinbar zum Konsum geführt haben, zu besprechen und darüber hinaus mit den Teilnehmern zu eruieren, ob das Suchtmittel nicht schlicht und einfach der schnellste Weg gewesen ist, entweder aus der negativen Gefühlslage aussteigen zu können oder die positive Gefühlslage steigern zu wollen.

Oftmals erkennen die Teilnehmer, dass sie dem Suchtmittel eine zu große Bedeutung zuerkannt haben. Das heißt, in Phase 4 wird das Suchtmittel, das in einer bestimmten Gefühlslage konsumiert wurde, rückblickend einer Bewertung unterzogen bzw. geprüft, ob das Suchtmittel zum damaligen Zeitpunkt tatsächlich die gewünschten Effekte erzielen konnte.

Es wird quasi die Einstellung dem Suchtmittel gegenüber überprüft.

Diese Betrachtungsweise ist für die Teilnehmer sehr schwierig, da spontan und voller Überzeugung auf Seiten der Teilnehmer viele Aussagen getroffen werden, dass z. B. ohne Suchtmittel ein negativer Gefühlszustand nicht ausgehalten worden wäre. Die Auseinandersetzung mit den jeweiligen Gefühlszuständen und den damit verbundenen Bewertungen des Suchtmittels, was dies leisten könnte, bringt neue und  nicht erwartete Erkenntnisse.

Diese neuen und nicht erwarteten Erkenntnisse führen dazu, dass Teilnehmer entweder eine weitere Auseinandersetzung mit ihren Gefühlslagen ablehnen und in den Ebenen 1, 2 oder/3 und im so genannten Trockenrausch bzw. Abstinenz-Rausch verbleiben - in anderen Worten:

diesen Teilnehmern reicht es, dass sie es geschafft haben, überhaupt immer wieder eine Entscheidung fällen zu können, für eine gewisse Zeit abstinent oder clean zu leben. Darauf sind diese Teilnehmer stolz - insbesondere auch deshalb, da sie für das Fällen der Abstinenz-Entscheidung von anderen so sehr gelobt werden. Dieses große Lob erzeugt einen gewissen Rausch - sozusagen einen Ersatz-Rausch und deshalb erreichen diese Teilnehmer auch keine weitere Ebene, sondern verbleiben immer wieder in den Ebenen 1 bis 3.


Die anderen Teilnehmer, die sich weiter mit ihren gewonnenen Erkenntnissen über den Zusammenhang von Gefühlszustand und Suchtproblematik auseinandersetzen und die es satt haben, während einer abstinenten Lebensphase immer nur nach einem Ersatz-Rausch zu suchen, der meistens durch Manipulation von Menschen gewonnen wird, schreiten voran in die Ebenen 5, 6 bis zu 7. Die Ebene 4 ist ein zentraler Arbeitszeitpunkt innerhalb der Suchttherapie.


In dieser Ebene kommt es schrittweise zu einer Einstellungsänderung dem Suchtmittel und insbesondere den eigenen - immer wieder manipulativen - Verhaltensweisen gegenüber.

5.      Weitere Rückfälle können jetzt insbesondere durch den sukzessiven bzw. allmählichen Aufbau einer emotionalen Abstinenzentscheidung vermieden werden, da es zunehmend zu einer gefestigteren Einstellungsänderung dem Suchtmittel gegenüber kommt.

6.      Die jetzt immer stabiler werdende  Einstellungsänderung dem Suchtmittel gegenüber, ist das Fundament für die gelingende kognitive & emotionale Abstinenzentscheidung.

7.      Das Ziel:
Durch die ‚persönliche Identitätsarbeit‘ hat sich der Mensch in Bezug auf sein emotionales Erleben, seine Bedürfnisse, Stärken und Schwächen kennengelernt. Es kommt zu einer dauerhaften Einstellungsänderung dem Suchtmittel gegenüber. Der Mensch weiß nun, wie er abstinent und rückfallfrei sein Leben in Zufriedenheit gestalten kann. Es kommt
 

Die Arbeitsblätter '5 Säulen der Identität' sind eine große Arbeits-Hilfe für die Auseinandersetzung mit den negativen und positiven Gefühlen, die mit der Suchtproblematik in Verbindung stehen. Diese Auseinandersetzung vollzieht sich über:

  • die Selbst-u. Fremdwahrnehmung,
  • die Überprüfung des Soziale Netzwerks - förderliche/hinderliche Menschen,
  • kritische Betrachtung der Arbeitsleitung bzw. Leistungsfähigkeit in Verbindung mit dem Suchtmittelkonsum,
  • der Aufdeckung von materiellen Verlusten durch den Suchtmittelkonsum  sowie
  • der Herausarbeitung verbliebener, nicht materieller Werte.


Ein Therapiemanual, das diese Arbeitsweise beschreibt, wird zurzeit von mir verfasst.