Psychotherapiepraxis Martina Woocker - - Dipl.-Psychologin/Heilpraktikerin (Psychotherapie) -
Der so genannte 'Trockenrausch'...
(Was verstehen wir unter dem Trockenrausch?)

(siehe: Schneider, R. 2001. Die Suchtfiebel.(13. Aufl.). Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren GmbH.

Die Bezeichnung 'Trockenrausch' geht zurück auf die Anonymen Alkoholiker, die damit zum Ausdruck bringen, dass ein Alkoholiker nicht mehr trinkt, sich jedoch ansonsten genau so verhält wie zu der Zeit, da er noch getrunken hat.

In anderen Worten: es hat sich am Verhalten des ehemals konsumierenden Menschen (bzw. des dann aktuell abstinent lebenden Alkoholikers) nichts verändert. Der Mensch ist lediglich 'trocken'. Ansonsten verhält er sich jedoch genauso wie zu seinen Zeiten, die er im 'Rausch' gelebt hat.
Das meint der Ausdruck 'Trockenrausch'.

Trockenrausch-Zustände sind u.a. erkennbar an großspurigem Benehmen, Ungeduld und Maßlosigkeit, schnellem Beleidigtsein und sich-ungerecht-behandelt-fühlen.

Die Bezeichnung Trockenrausch ließe sich auf jede Form der Suchterkrankung anwenden. Ob Alkohol,- Opioid,- Sedativa,-Cannabinoid,- Nikotin,- Lösungsmittel - und ...abhängigkeit, da das alleinige Weglassen des Suchtmittels lediglich der erste Schritt ist - dann beginnt die Arbeit an der Suchtproblematik.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch: Suchtverhalten wie auch Verhaltenssüchte, das bzw. die nicht bearbeitet worden ist bzw. sind, nachdem der Konsument eine Abstinenzentscheidung getroffen hat,  können über die Trockenrausch-Warnungs-Erklärung dem Patienten deutlich gemacht, können enttarnt &  dann behandelt werden.

Das Problem, das ein Mensch mit Abhängigkeitsproblematik haben könnte, die sich jedoch nicht auf Alkohol beziehen würde, wäre der Umstand, dass er das Wort Trockenrausch und jede damit verbundene Warnung und Erklärung ablehnen würde.
Ebenso könnten sich Menschen, die unter Verhaltenssüchten leiden, äußern -aufgrund der Tatsache, dass Alkohol bedeutungslos im Leben gewesen wäre.

Vor diesem Hintergrund möchte ich zur Verdeutlichung der Schwierigkeit, eine abstinente Lebensweise auf längere Zeit führen zu können bei ausbleibender Verhaltensänderung, ein neues Wort einführen, dass jede Form der Abhängigkeit - stoff- oder nicht stoffgebunden -  einschließt:

den Abstinenz-Rausch. /Martina Woocker, 27.07.2019

Wie der 'Trockenrausch' beschreibt der 'Abstinenz-Rausch' die aktuelle Lebens- u. Verhaltensweise eines Menschen mit einer Abhängigkeitserkrankung: eine einerseits abstinente Lebensweise bei beibehaltender Verhaltensweise aus der Zeit, in der konsumiert wurde. Die Suchtproblematik wurde bisher nicht bearbeitet.

Und diese Arbeit an der Suchtproblematik bedeutet, die Auseinandersetzung mit negativen u. positiven Gefühls-zuständen zu wagen, die mit der Suchtproblematik in Zusammenhang gesehen werden können. Haben Menschen diese Auseinandersetzung begonnen, wird ihnen oftmals bewusst, warum sie dieses und jenes Verhalten gezeigt haben und welche Effekte sie sich von diesem und jenem Verhalten erhofft hatten. Sie können dann das Verhalten einer Bewertung unterziehen und schauen, ob tatsächlich die erwünschte Wirkung durch dieses oder jenes Verhalten eingetreten ist.......und sollte dies nicht der Fall sein, ist das der Beginn einer möglichen Verhaltensänderung.....

Wir können antworten, dass sich doch schon eine ganze Menge verändert hätte, denn immerhin trinkt der Alkoholiker nicht mehr - das ist doch großartig.......oder? (Bzw. konsumiert der Abhängigkeitserkrankte nicht mehr).

Ja, antworten wir und sind ganz begeistert von diesem Familienmitglied, Freund, Kollegen etc. und das Schicksal nimmt langsam seinen Lauf, still und zunächst unerkannt.

Denn nur eine Verhaltensänderung ist letztlich die Basis für die Beibehaltung einer abstinenten Lebensweise.

Die Bezeichnung 'Trockenrausch' wird heute nicht mehr gerne verwendet. Sie gilt als nicht wissenschaftlich genug und auch als kränkend für den abstinent lebenden Menschen.

Vielleicht kann die Bezeichnung Abstinenz-Rausch hier eine Hilfe darstellen, um auch abhängigkeitserkrankte Menschen erreichen zu können, die kein Alkoholproblem haben, jedoch ebenfalls täglich darum kämpfen, ihre Abstinenzentscheidung aufrecht halten zu können.

Die Bezeichnung Abstinenz-Rausch beantwortet vielleicht noch die Frage, warum sich oftmals ein Rückfall anbahnt, kurz nachdem eine Abstinenz-Entscheidung getroffen wurde: Der abhängigkeitserkrankte Mensch war möglicherweise im Rausch darüber, weil er eine Abstinenz-Entscheidung treffen konnte und unendlich viel Lob dafür erntete. Daraufhin stellte sich zunehmend das von Ralf Schneider (2001) erwähnte groß-spurige Verhalten ein und es folgte eine Rückfall-Schleife, die ich auf einer nächsten Seite beschreibe.